15. Oktober 20267 Min.

    Parasitenkur: Wann sie sinnvoll ist und wann sie schadet

    Parasitenkur gegen Hautprobleme? Warum die Kur oft mehr schadet als hilft, welche Nebenwirkungen drohen und wann sie wirklich sinnvoll ist.

    Die Haut juckt, der Bauch ist ständig aufgebläht und die Müdigkeit geht einfach nicht weg. Irgendwann liest man dann, dass hinter all dem Parasiten stecken könnten. Und schon liegt eine Parasitenkur im Warenkorb: Wermut, Schwarzwalnuss und Gewürznelke über mehrere Wochen, dazu oft noch ein Bindemittel.

    Von solchen Kuren auf Verdacht halte ich nichts. Ich habe selbst mehrere Parasitenkuren ausprobiert. Mir ging es danach jedes Mal deutlich schlechter als vorher.

    Die kurze Antwort

    Eine Behandlung gegen Parasiten ist sinnvoll, wenn tatsächlich eine Wurminfektion nachgewiesen ist, zum Beispiel mit Madenwürmern. Dann gibt es zugelassene Mittel, die gezielt helfen.

    Eine Kräuterkur auf Verdacht, ohne Befund, ist etwas anderes. Die Kräuter darin sind nicht immer harmlos. Parasiten im Darm finden außerdem vor allem dort Halt, wo das Milieu für sie günstig ist (also wo wenig Magensäure da ist und viel Unverdautes im Darm liegt). Bleibt dieses Milieu, kommen sie wieder. Und manche Parasiten speichern Schwermetalle in sich, die beim Absterben vieler Parasiten auf einmal frei werden könnten.

    Neurodermitis und andere Hautprobleme haben in aller Regel andere Ursachen als Würmer. Häufiger stecken die Verdauung, Stress und erschöpfte Nebennieren, Mineralien wie Zink und Kupfer oder Schwermetalle dahinter.

    Was mit Parasitenkur gemeint ist

    Auf dem Markt gibt es inzwischen unzählige Parasitenkuren. Manche bestehen nur aus Kräutertropfen für ein paar Wochen, andere sind ganze Pakete mit Kapseln, Bindemitteln und einer Darmreinigung. Grob lassen sie sich so einteilen:

    • •Kräuterkuren: Sehr verbreitet ist eine Kombination aus Wermut, Schwarzwalnuss (die grüne Schale der Nuss) und Gewürznelke, oft nach Hulda Clark. Daneben gibt es viele andere Mischungen mit ganz unterschiedlichen Pflanzen, Extrakten und Ölen, zum Beispiel mit Oregano, Knoblauch oder Kürbiskernen.
    • •Fertige Kur-Pakete: Kapseln, Tropfen und Pulver für mehrere Wochen, häufig kombiniert mit Bindemitteln wie Zeolith oder Bentonit und mit einer Darmreinigung.
    • •Geräte: Sogenannte Zapper, die Parasiten mit schwachem Strom abtöten sollen.
    • •Wurmmittel aus der Apotheke: Medikamente, die gezielt gegen bestimmte Würmer wirken.
    Nachgewiesene Infektion
    Gezielt behandeln
    • zum Beispiel Madenwürmer
    • zugelassene Wurmmittel wirken in über 90 Prozent der Fälle
    • dazu Hygieneregeln für den ganzen Haushalt
    Kur auf Verdacht
    Meist mehr Risiko als Nutzen
    • Kräuter sind nicht immer harmlos
    • Parasiten kommen wieder, wenn das Milieu bleibt
    • gebundene Schwermetalle könnten frei werden

    Parasitenkur: Wann sie Sinn ergibt und wann nicht

    Um die Wurmmittel geht es hier nur kurz, weil sie bei einer nachgewiesenen Infektion die richtige Wahl sind. Gemeint sind vor allem die Kuren, die heute an jeder Ecke empfohlen werden, oft ganz ohne Befund.

    Wann Parasiten tatsächlich ein Thema sind

    Parasiten gibt es natürlich auch bei uns. Am häufigsten sind in Deutschland Madenwürmer. Bei Kindern haben je nach Untersuchung zwischen 2 und 20 Prozent welche. Typisch ist starker Juckreiz am After, vor allem nachts.

    Eine solche Infektion lässt sich gut behandeln. Die zugelassenen Wurmmittel helfen in den allermeisten Fällen. Wichtig sind dazu ein paar Hygieneregeln, denn Madenwürmer kommen meist über die Hände wieder (meist werden deshalb alle im Haushalt mit einbezogen). Mit einer wochenlangen Kräuterkur hat das wenig zu tun.

    Dazu kommen Infektionen, die man sich auf Reisen holt, etwa über verunreinigtes Wasser oder rohes Essen in Ländern mit niedrigen Hygienestandards. Auch die gehören in ärztliche Behandlung, betreffen hierzulande aber nur wenige Menschen.

    Können Parasiten Hautprobleme auslösen?

    Ja, das kommt vor. Am besten untersucht ist der Zusammenhang bei Nesselsucht, also bei Quaddeln (juckenden Schwellungen auf der Haut). Eine ganze Reihe von Würmern wurde schon damit in Verbindung gebracht. In den Industrieländern gelten Parasiten aber als seltene Ursache einer chronischen Nesselsucht. Deshalb wird dort nicht routinemäßig nach Würmern gesucht, sondern vor allem dann, wenn es Hinweise gibt, etwa nach einer Fernreise.

    Neurodermitis hat in aller Regel andere Ursachen als Würmer. Wer wegen seiner Haut eine Parasitenkur macht, setzt deshalb meist am falschen Punkt an. Was hinter Neurodermitis und trockener Haut häufig steckt, habe ich in den Artikeln über Darmsanierung und über trockene Haut beschrieben.

    Warum eine Kur auf Verdacht oft nicht hilft

    Parasiten im Darm brauchen das passende Milieu

    Parasiten siedeln sich dort an, wo die Bedingungen für sie gut sind. Im Darm ist das vor allem ein geschwächter Darm: Zu wenig Magensäure, eine schwache Verdauung und viele unverdaute Reste, von denen sie leben können.

    Dr. Lawrence Wilson, einer der bekanntesten Fachleute für Mineral Balancing, sieht das genauso. Solange der Körper nicht genug Kraft hat, wird er Parasiten nicht dauerhaft los. Und Kräuter gegen Parasiten wirken schlecht, wenn die Vitalität niedrig ist oder im Darm viel liegt, wovon die Parasiten sich ernähren.

    Eine Kräuterkur kann Parasiten für eine Weile zurückdrängen. Bleibt das Milieu im Darm aber dasselbe, kommen sie wieder. Das ist derselbe Grund, aus dem auch Anti-Pilz-Kuren und Darmsanierungen so oft nur kurz helfen.

    Eine einzelne Stuhlprobe übersieht Parasiten

    Wer wissen will, ob überhaupt Parasiten da sind, braucht einen ordentlichen Nachweis. Das ist gar nicht so einfach. In einer Auswertung aus einer großen US-Klinik fand die erste Stuhlprobe gut sieben von zehn Parasiten, die mit drei Proben gefunden wurden. Für eine verlässliche Untersuchung werden deshalb meist mehrere Proben an verschiedenen Tagen untersucht.

    Dazu kommt: Viele Parasiten sterben kurz nach dem Ausscheiden ab und lassen sich danach oft gar nicht mehr nachweisen. Bei manchen Arten muss der Stuhl deshalb ganz frisch untersucht werden. Eine Probe, die erst per Post ins Labor geht, kommt für sie zu spät.

    Eine einzelne unauffällige Probe schließt Parasiten also nicht sicher aus. Eine Kur ganz ohne Befund ist aber auch keine Lösung, denn dann weißt du nicht, wogegen sie überhaupt wirken soll.

    Was eine Parasitenkur dem Körper zumuten kann

    Die Kräuter sind nicht immer harmlos

    Wermut, Schwarzwalnuss, Beifuß und Gewürznelke sind leicht giftig. Bei zwei davon ist das gut belegt:

    • •Wermut enthält Thujon, einen Stoff, der auf das Nervensystem wirkt. In den USA ist ein Fall von akutem Nierenversagen beschrieben, ausgelöst durch Wermutöl, das über das Internet gekauft worden war.
    • •Gewürznelke wirkt als Öl in größeren Mengen giftig auf die Leber. Bei einem Kleinkind haben schon 10 Milliliter Nelkenöl zu einem Leberversagen geführt.

    Belegt ist das bei den reinen Ölen in hoher Menge. Wie viel davon aus einer Kur im Körper ankommt, hängt vom Produkt und der Dosis ab. Über mehrere Wochen eingenommen, können die Kräuter aber genau die Organe belasten, die für die Entgiftung zuständig sind: Leber und Nieren.

    Schwermetalle können auf einmal frei werden

    Im Artikel über Darmsanierung habe ich es schon angesprochen: Manche Parasiten reichern Schwermetalle in sich an. Bei Fischen ist gut untersucht, dass bestimmte Darmwürmer Metalle in einer mehrere tausend Mal höheren Konzentration speichern als das Gewebe ihres Wirts.

    Beim Menschen ist das bisher nicht untersucht. Ich halte es aber für plausibel, dass beim Absterben vieler Parasiten auf einmal auch die gebundenen Metalle auf einmal frei werden. Mit denen muss der Körper dann auf einen Schlag fertig werden. Und das ausgerechnet dann, wenn Leber und Darm durch die Kur ohnehin schon gefordert sind.

    Umgekehrt machen Schwermetalle es Parasiten leichter. In einer großen Auswertung von US-Gesundheitsdaten hatten Menschen mit mehr Schwermetallen im Körper häufiger hartnäckige Infektionen, darunter auch mit Spulwürmern der Gattung Toxocara. Die Forscher vermuten als Grund ein geschwächtes Immunsystem. Wo Schwermetalle im Alltag herkommen, habe ich im Artikel über Schwermetalle im Alltag zusammengestellt.

    Bindemittel und Darmreinigung kommen oft dazu

    Viele Kur-Pakete enthalten zusätzlich Bindemittel wie Zeolith oder Bentonit und eine Darmreinigung. Bindemittel nehmen neben Schadstoffen auch kleine Mengen wichtiger Mineralien mit. Darunter kann auch Zink sein, das zum Beispiel für die Haut sehr wichtig ist. Und Tonprodukte wie Bentonit enthalten oft selbst Aluminium.

    Was stattdessen hilft

    Wenn das Milieu im Darm das Problem ist, muss man dort ansetzen. Dr. Wilson beschreibt, dass manche Menschen während eines Mineral-Balancing-Programms ganz nebenbei Würmer ausscheiden, einfach weil der Körper wieder zu Kräften kommt. Dafür braucht es vor allem:

    • •Eine gute Verdauung: Genug Magensäure ist einer der wichtigsten Schutzmechanismen des Darms gegen falsche Bakterien und Hefen. Und ein gut verdauender Darm bietet Parasiten weniger, wovon sie leben können. Wie Magensäure, Schilddrüse und Mineralien zusammenhängen, steht im Artikel über Darmsanierung.
    • •Einen Stoffwechsel, der wieder in Schwung kommt: Ein Körper auf Sparflamme hat wenig Kraft, um Eindringlinge loszuwerden. Mehr dazu im Artikel über den langsamen Stoffwechsel.
    • •Genug Zink, im Gleichgewicht mit Kupfer: Fehlt Zink, wird die Darmwand durchlässiger. Auf Verdacht einnehmen würde ich es trotzdem nicht, wie viel sinnvoll ist, hängt von deinen individuellen Laborwerten ab.
    • •Weniger Schwermetalle: Sie können die Abwehr schwächen und es Parasiten so leichter machen.
    • •Ein paar Hygieneregeln: Hände waschen vor dem Essen und nach dem Toilettengang, rohes Fleisch und Fisch gut durchgaren, auf Reisen vorsichtig sein mit Leitungswasser und rohem Essen.

    Um herauszufinden, warum sich Parasiten bei dir wohlfühlen könnten, nutze ich die Haarmineralanalyse. Darin sehe ich, wie dein Stoffwechsel arbeitet, wie belastbar deine Nebennieren sind, ob Zink und Kupfer im Gleichgewicht sind und ob Schwermetalle eine Rolle spielen. Aussagekräftig wird das erst im Zusammenspiel. Daraus mache ich einen Plan, der am Milieu ansetzt statt an den Parasiten.

    Wichtig: Wenn du Medikamente nimmst, setz sie bitte nicht eigenmächtig ab, auch nicht im Rahmen einer Kur.

    Du hast schon eine Parasitenkur, eine Darmkur oder beides hinter dir und deine Hautprobleme sind trotzdem geblieben? In der kostenlosen Ursachenanalyse schauen wir uns gemeinsam an, wo es bei dir wirklich hakt und ob eine Haarmineralanalyse für dich Sinn ergibt.

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    Quellen

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    9. 9.Wilson L: Nutritional Balancing and Hair Mineral Analysis.

    Häufige Fragen

    Ist eine Parasitenkur sinnvoll?
    Wenn eine Wurminfektion nachgewiesen ist, ist eine gezielte Behandlung sinnvoll, dafür gibt es zugelassene Mittel. Eine Kräuterkur auf Verdacht halte ich dagegen nicht für sinnvoll: Die Kräuter sind nicht immer harmlos und Parasiten kommen wieder, solange sich das Milieu im Darm nicht ändert.
    Welche Nebenwirkungen kann eine Parasitenkur haben?
    Wermut enthält das nervenaktive Thujon, Nelkenöl ist in größeren Mengen lebergiftig. Über Wochen eingenommen, können die Kräuter Leber und Nieren belasten. Dazu kommen oft Bindemittel, die neben Schadstoffen auch kleine Mengen wichtiger Mineralien wie Zink mitnehmen können.
    Können Parasiten Hautprobleme auslösen?
    Bei Nesselsucht kommt das vor, in Industrieländern gelten Parasiten aber als seltene Ursache. Neurodermitis hat in aller Regel andere Ursachen als Würmer. Häufiger stecken Verdauung, Stress, Mineralien und Schwermetalle dahinter.
    Woran erkenne ich Parasiten im Darm?
    Bei Madenwürmern ist starker Juckreiz am After typisch, vor allem nachts. Andere Beschwerden wie Blähungen, Müdigkeit oder Heißhunger sind dagegen so unspezifisch, dass sie fast immer auch andere Ursachen haben können.
    Wie zuverlässig ist ein Stuhltest auf Parasiten?
    Eine einzelne Stuhlprobe übersieht einen Teil der Parasiten. In einer großen Auswertung fand die erste Probe gut sieben von zehn Parasiten, die mit drei Proben gefunden wurden. Für eine verlässliche Untersuchung werden deshalb meist mehrere Proben an verschiedenen Tagen untersucht.