Trockene Haut: Was dem Körper wirklich fehlt
Was Zink in deiner Haut macht, warum Zinksalbe einen Zinkmangel nicht ausgleicht und was trockene Haut über deinen Stoffwechsel verraten kann.
Im Winter reißen die Hände an den Knöcheln auf, die Haut an den Schienbeinen spannt und schuppt. Du cremst ein und nach dem nächsten Händewaschen fühlt sich alles wieder genauso an wie vorher.
Wenn ich mit Menschen spreche, die das seit Jahren kennen, haben die meisten schon extrem viel ausprobiert. Und eine Sache taucht dabei besonders oft auf: Zink. Als Zinksalbe aus der Apotheke, in Cremes und Lotionen oder als Kapsel zum Einnehmen.
Schauen wir uns also an, ob Zink wirklich hilft oder ob das wieder mal eher Marketing ist.
Die kurze Antwort
Zink ist für deine Haut tatsächlich wichtig. Ohne Zink kommt Vitamin A schlecht aus der Leber zur Haut, neue Hautzellen reifen schlechter aus und Wunden heilen langsamer.
Eine Zinksalbe gleicht einen Zinkmangel im Körper aber nicht aus, sie wirkt vor allem an der Oberfläche. Zink als Nahrungsergänzung hat in einer kleinen Studie Kindern mit Neurodermitis geholfen, bei denen vorher ein Zinkmangel gemessen wurde. In einer anderen Studie wurde vorher nicht gemessen und alle bekamen Zink, also auch die, denen gar kein Zink fehlte. Dort hat sich im Schnitt kaum etwas getan. Außerdem verschiebt jede Zinkeinnahme das Gleichgewicht mit Kupfer.
Und noch etwas: Trockene Haut ist gar nicht das typische Zeichen für Zinkmangel. Sie passt meist zu einem langsamen Stoffwechsel. Ob zusätzlich Zink fehlt, sieht man erst am Zusammenspiel der Mineralien.
Was Zink in deiner Haut macht
Zink steckt in deinem Körper in sehr vielen Enzymen, also in Eiweißen, die bestimmte Abläufe überhaupt erst in Gang bringen. Für die Haut sind vor allem drei Aufgaben wichtig.
Wofür deine Haut Zink braucht
Vitamin A zur Haut bringen
Vitamin A steuert mit, wie deine Hautzellen reifen und sich erneuern. Gespeichert wird es in der Leber. Damit es zur Haut kommt, muss es über das Blut transportiert werden. Dafür braucht es ein eigenes Transporteiweiß, das sogenannte Retinol-bindende Protein. Und um dieses Eiweiß zu bilden, braucht dein Körper Zink.
Fehlt Zink, bleibt Vitamin A in der Leber liegen, obwohl eigentlich genug da ist. Im Blut und an der Haut kommt dann zu wenig an.
Deshalb bringt es auch nicht zwangsläufig etwas, mehr Vitamin A zu essen oder zu schlucken. Ist kein Transporteiweiß mehr frei, wandert das zusätzliche Vitamin A einfach in den Leberspeicher (Vitamin A ist fettlöslich und wird dort gelagert).
Neue Hautzellen bilden
Deine Oberhaut erneuert sich ständig. In der untersten Schicht entstehen neue Zellen, die nach oben wandern, dabei reifen und am Ende die Hornschicht bilden, also die äußere Schutzschicht deiner Haut.
Die Oberhaut enthält auffällig viel Zink. Und sie hat eigene Zink-Transporter, das sind Eiweiße in der Zellhülle, die Zink gezielt in die Zelle holen. Einer davon heißt ZIP2. Forscher haben ihn im Labor in Hautzellen abgeschaltet. Die Folge: Die Zellen reiften nicht mehr richtig aus und es bildete sich keine normale Oberhaut. (Das war ein Versuch an Zellkulturen, nicht am Menschen. Er deutet aber darauf hin, dass die Hautbildung Zink braucht.)
Eiweiß aufbauen und Wunden heilen
Das Eiweiß aus deinem Essen zerlegt der Körper erst einmal in seine Bausteine. Aus diesen Bausteinen bauen deine Zellen dann ihre eigenen Eiweiße, zum Beispiel für neue Haut. Damit eine Zelle so ein körpereigenes Eiweiß herstellen kann, muss sie den Bauplan aus ihrer Erbsubstanz abschreiben. Das Enzym, das diese Abschrift anfertigt, heißt RNA-Polymerase und funktioniert nur mit Zink. Es bestimmt, wie schnell deine Zellen überhaupt eigenes Eiweiß aufbauen können.
Bei einem Zinkmangel lässt dieses Enzym als eines der ersten nach. Wunden heilen dann langsamer und auch kleine Risse in der Haut brauchen länger, bis sie wieder zu sind.
Zinksalbe und Zinkcreme: Was sie können
Bei trockener, rissiger Haut greifen viele zuerst zur Zinksalbe. Darin steckt Zinkoxid, ein weißes Pulver, das sich wie eine Schutzschicht auf die Haut legt. Deshalb findest du es auch in Wundsalben, Windelcremes und mineralischer Sonnencreme (dort als UV-Filter).
Zum Schützen und Beruhigen gereizter Stellen ist das völlig in Ordnung. Zinksalbe ist sogar ein gutes einfaches Hausmittel gegen Juckreiz.
Zinkoxid ist dafür gemacht, auf der Haut zu bleiben, verwerten kann der Körper es kaum. Bei gesunder Haut kommen die Partikel nicht bis in die lebenden Hautschichten. Bei rissiger oder entzündeter Haut dringt mehr Zink ein, in Laborversuchen an menschlicher Haut stieg der Zinkgehalt in den tieferen Schichten um ein Vielfaches. Das Zink bleibt dann aber vor allem in der Haut selbst.
Einen Zinkmangel im Körper gleicht eine Creme also nicht aus. Und ob Zink bei deiner trockenen Haut überhaupt die Ursache ist, zeigt sich erst, wenn man den ganzen Körper anschaut.
- beruhigt gereizte und rissige Stellen
- bleibt bei gesunder Haut oben
- gleicht keinen Zinkmangel im Körper aus
- können bei einem gemessenen Mangel unterstützen
- auf Verdacht kaum ein Effekt
- verschieben immer auch das Kupfer
Zink von außen und von innen
Übrigens steckt nicht in jedem Produkt mit Zink dasselbe:
- •Zinkoxid schützt als Schicht auf der Haut, auch vor UV-Strahlung.
- •Zink-PCA (ein Zinksalz) wird bei fettiger Haut eingesetzt, weil es die Talgproduktion beeinflusst.
- •Zinkgluconat kommt bei entzündlicher Akne zum Einsatz (als Nahrungsergänzung begegnet es dir weiter unten noch mal).
- •Zinkricinoleat steckt im Deo und bindet Geruchsstoffe.
- •Zinkpyrithion war jahrzehntelang der Standard in Anti-Schuppen-Shampoos. Seit März 2022 ist es in der EU in Kosmetik verboten, weil es als wahrscheinlich fortpflanzungsschädigend eingestuft wurde.
Und die Nebenwirkungen? Gerade zu Zinkoxid in Sonnencreme liest man viele Warnungen. Für gesunde Haut geben Auswertungen vieler Einzelstudien weitgehend Entwarnung, die winzigen Partikel bleiben in den oberen Hautschichten. Bei geschädigter Haut ist die Lage weniger klar, da fordern die Forscher selbst noch weitere Untersuchungen. Außerdem haben Zinkoxid-Partikel unter UV-Licht in Zell- und Tierversuchen oxidativen Stress verstärkt (also Zellstress durch aggressive Sauerstoffverbindungen).
Zink als Nahrungsergänzung: Wann es hilft
Am besten untersucht ist Zink bei Neurodermitis, bei der die Haut ja ebenfalls sehr trocken ist. Eine große Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2019 (also eine Auswertung vieler Einzelstudien) hat gezeigt, dass Menschen mit Neurodermitis im Schnitt weniger Zink haben (gemessen im Blut und im Haar).
Ob Zink zum Einnehmen etwas bringt, dazu wertet dieselbe Arbeit zwei kleine Studien aus. Und die kommen zu ziemlich unterschiedlichen Ergebnissen.
In der ersten wurde vorher gemessen. Kinder mit Neurodermitis und niedrigem Zinkwert im Haar bekamen Zink, eine Vergleichsgruppe nicht. Bei den Kindern mit Zink juckte die Haut danach weniger, das Ekzem wurde ruhiger und die Haut verlor weniger Feuchtigkeit.
In der zweiten wurde vorher nicht gemessen. Alle Betroffenen bekamen Zink, also auch die, denen gar kein Zink fehlte. Im Schnitt hat sich dort nichts Nennenswertes verbessert. Das liegt vermutlich daran, dass Zink nur dem hilft, dem es tatsächlich fehlt. Bei allen anderen bewirkt es wenig. Im Durchschnitt aller Teilnehmer geht der Effekt dann unter.
Beide Studien sind klein. Sie weisen aber in dieselbe Richtung: Bei einem gemessenen Mangel hat Zink geholfen, ohne Messung kaum.
Das deckt sich mit dem, was ich selbst erlebt habe. Bei mir war das Verhältnis von Natrium zu Kalium erhöht. Zink hat sehr gut geholfen, es zu senken. Die Entzündungen auf meiner Haut sind dadurch deutlich besser geworden. Gleichzeitig habe ich bei Klienten gesehen, dass Zink zur falschen Zeit genau das Gegenteil bewirkt. Dazu weiter unten mehr.
Wenn Zink sinnvoll ist, spielt außerdem die Form eine große Rolle. Grob gibt es drei Gruppen:
- •Anorganische Salze (Zink an eine einfache Verbindung wie Sauerstoff gebunden) wie Zinkoxid oder Zinksulfat sind günstig, werden aber schlecht aufgenommen. Sie müssen sich erst im sauren Magen lösen, bevor der Körper überhaupt etwas damit anfangen kann.
- •Organische Salze (Zink an eine organische Säure gebunden, zum Beispiel an Zitronensäure) wie Zinkgluconat oder Zinkcitrat werden besser aufgenommen, brauchen dafür aber ebenfalls genug Magensäure.
- •Aminosäure-Chelate wie Zinkbisglycinat sind von Aminosäuren umhüllt. Der Darm nimmt sie über denselben Weg auf wie Eiweißbausteine, das klappt weitgehend unabhängig von der Magensäure.
Welche Form und welche Menge bei dir passt, hängt aber davon ab, wie dein Mineralhaushalt insgesamt aussieht. Und warum dir überhaupt Zink fehlt.
Trockene Haut und der langsame Stoffwechsel
In der Haarmineralanalyse unterscheidet man verschiedene Stoffwechseltypen, je nachdem, wie schnell dein Körper Energie aus der Nahrung freisetzt. Am einfachsten stellst du dir einen Holzofen vor: Beim schnellen Typ brennt das Feuer zu heiß und der Brennstoff ist schnell verbraucht. Beim langsamen Typ ist das Feuer zu klein, um den Raum richtig zu heizen.
Trockene Haut gehört zu den typischen Zeichen dieses langsamen Typs. Oft kommen trockene Haare dazu, kalte Hände und Füße, Müdigkeit oder Verstopfung. Schilddrüse und Nebennieren (die Nebennieren sind zwei kleine Drüsen auf den Nieren, die unter anderem die Stresshormone bilden) arbeiten dann eher auf Sparflamme.
Man kann sich den langsamen Stoffwechsel wie eine Schutzhaltung vorstellen. Nach langer Belastung hat sich der Körper quasi eingeigelt, um seine Mineralreserven zu schonen. Calcium lagert sich dabei im Gewebe ab und dämpft den ganzen Körper. Die Beschwerden entwickeln sich meist schleichend und bleiben dann auch.
Bei einem Zinkmangel stehen an der Haut dagegen eher Ekzeme, Akne, Schuppenflechte oder Schuppen im Vordergrund.
Oft kommt beides zusammen, weil es dieselbe Wurzel hat. Ein langsamer Stoffwechsel entsteht meist nach einer langen Zeit unter Stress. Und Stress kostet Zink, wie du weiter unten gleich siehst. Gleichzeitig brauchen die Nebennieren Zink, um überhaupt wieder auf Touren zu kommen. So können ein langsamer Stoffwechsel und ein Zinkmangel gemeinsam hinter deinen Hautproblemen stecken und sich gegenseitig verstärken.
Was heißt das für dich? Wenn deine Haut trocken ist, kann ein Zinkmangel dahinterstecken, ein langsamer Stoffwechsel oder beides. Steckt vor allem der Stoffwechsel dahinter, bringt Zink allein wenig, egal in welcher Form. (Trockene Haut kann auch beim schnellen Typ vorkommen, dann aber aus anderen Gründen.) Woran du einen langsamen Stoffwechsel sonst noch erkennst und wie er wieder in Schwung kommt, habe ich im Artikel über den langsamen Stoffwechsel beschrieben.
Übrigens kann auch ein Mangel an marinen Omega-3-Fettsäuren (DHA, EPA und DPA, sie stecken vor allem in fettem Fisch) die Haut trocken und schuppig machen. Mit Zink hat das nichts zu tun. Mehr Omega-3 ist aber nicht automatisch besser. Die Fettsäuren werden bei Hitze, Licht und Sauerstoff schnell ranzig. Und ranzige Fette tun dem Körper nicht gut. Fisch ist heute außerdem oft mit Schwermetallen belastet. Es kommt also auf die Qualität, die Menge und den richtigen Einsatz an.
Warum Zink überhaupt fehlt
Stress und Nebennieren
Unter Stress verliert dein Körper Zink, oft schon innerhalb von Minuten. Das gehört zur ganz normalen Kampf-oder-Flucht-Reaktion.
Gleichzeitig braucht er Zink, um die Hormone der Nebennieren zu bilden, zum Beispiel Cortisol (das körpereigene Mittel gegen Entzündungen). Hält der Stress an, verliert der Körper also laufend Zink. Und das fehlt ihm dann ausgerechnet für die Nebennieren, die den Stress bewältigen sollen.
Stress heißt dabei nicht nur Job. Auch eine Haut, die dauernd spannt, juckt und im Winter aufreißt, kann dich ganz schön unter Stress setzen. Und kaum ein Organ zeigt so deutlich, wie gestresst ein Mensch ist, wie die Haut. Wie sich Stress im Körper messen lässt, habe ich im Artikel über chronischen Stress beschrieben.
Aufnahme und Magensäure
Selbst wenn genug Zink auf dem Teller liegt, kommt nicht alles davon an. Aus tierischen Lebensmitteln nimmt dein Körper Zink deutlich besser auf als aus pflanzlichen, vor allem als aus Samen und Getreide. Ballaststoffe und Phytinsäure (steckt vor allem in Getreide und Hülsenfrüchten) bremsen die Aufnahme. Und wer vegetarisch isst, bekommt von vornherein weniger, weil die besten Zinkquellen tierisch sind.
Dazu kommt ein Teufelskreis im Magen. Zinkmangel senkt die Magensäure und mit weniger Magensäure nimmst du wiederum weniger Zink auf. Außerdem braucht dein Körper Zink, um Verdauungsenzyme zu bilden. Ein Hinweis auf zu wenig Magensäure oder zu wenig Zink kann sein, dass dir Fleisch schwer im Magen liegt.
Schwermetalle
Manche Schwermetalle nutzen die Wege, über die dein Körper eigentlich Mineralien aufnimmt. Cadmium zum Beispiel besetzt gern die Plätze, die für Zink gedacht sind. Fehlt Zink, hat Cadmium es leichter. Wo Cadmium und andere Metalle im Alltag herkommen, findest du im Artikel über Schwermetalle im Alltag.
Die Leber
Die Leber entgiftet in mehreren Stufen. In der ersten werden Schadstoffe so umgebaut, dass der Körper sie weiterverarbeiten kann. In der zweiten werden sie wasserlöslich gemacht, damit sie über Niere und Darm rausgehen. Für diese zweite Stufe braucht die Leber unter anderem Zink.
Wie gut die ersten beiden Stufen zusammenspielen, hängt wieder am Stoffwechseltyp:
- •Beim schnellen Stoffwechsel laufen die Nebennieren auf Hochtouren. Die erste Stufe läuft zu schnell, die zweite kommt nicht hinterher. Dann stauen sich Zwischenprodukte, die oft aggressiver sind als der Ausgangsstoff.
- •Beim langsamen Stoffwechsel (zu dem trockene Haut typischerweise passt) ist es andersherum. Die erschöpften Nebennieren bilden zu wenig Cortisol und die erste Stufe wird langsamer. Außerdem bildet die Leber dann zu wenig von dem Eiweiß, das Kupfer transportiert. Das Kupfer bleibt im Gewebe hängen.
Das erklärt auch, warum sich manche nach dem Start mit Nahrungsergänzungen erst einmal schlechter fühlen: Wird die erste Stufe angekurbelt und die zweite kommt nicht mit, stauen sich genau diese Zwischenprodukte.
Kupfer, der Gegenspieler
Zink und Kupfer sind Gegenspieler. Nimmst du viel Zink, drückt das dein Kupfer nach unten (und umgekehrt).
Das Tückische daran: Ein Zinkmangel und ein Kupferüberschuss machen fast dieselben Beschwerden, an der Haut zum Beispiel Ekzeme, Akne oder Ausschläge. Von außen kannst du beides nicht unterscheiden. Und wenn du Zink nimmst, verschiebst du immer auch das Kupfer mit. Ob das gerade gut für dich ist, weißt du ohne Analyse nicht.
Zu viel Kupfer kann die Haut außerdem direkt verändern. Kupfer braucht dein Körper, um die Eiweißfasern im Bindegewebe (Kollagen und Elastin) miteinander zu vernetzen, damit das Gewebe fest wird. Ist zu viel Kupfer im Gewebe, entstehen zu viele dieser Vernetzungen. Die Haut wird dann eher steif und ledrig statt geschmeidig.
Mehr dazu, woran man einen Kupferüberschuss erkennt und was dagegen hilft, steht im Artikel über Kupferüberschuss.
Was die Haarmineralanalyse zeigen kann
Bleibt die Frage, ob man den Zinkwert nicht einfach messen lassen kann. Das ist ein Anfang: In der Studie oben war ein niedriger Zinkwert im Haar der Grund, Zink zu geben. Ob Kupfer mitspielt und wie viel Zink du brauchst, sagt der Wert allein aber oft nicht.
Ein Blutwert hilft dabei wenig, weil dein Körper den Zinkspiegel im Blut lange stabil hält. (Blutwerte sind für viele Fragen super, für den Zinkvorrat im Gewebe eher nicht.)
Auch der Zinkwert im Haar ist für sich genommen nur ein Hinweis. Ein hoher Wert ist zum Beispiel nicht automatisch gut. Er kann auch bedeuten, dass der Körper gerade Zink verliert.
Viel mehr sagt das Zusammenspiel mit anderen Mineralien, vor allem mit Natrium, Kalium und Kupfer. Natrium und Kalium hängen eng mit deinen Nebennieren zusammen und reagieren als erste, wenn Stress ins Spiel kommt. Zink verschiebt die beiden (Kupfer in die genau andere Richtung). Wie das bei dir aussieht und was daraus folgt, schaue ich mir in der Auswertung an.
Was passiert, wenn man das nicht beachtet: Zu viel Zink drückt das Kupfer nach unten und bringt Natrium und Kalium aus dem Gleichgewicht. Dr. Eck hat sogar beobachtet, dass zu viel Zink den gemessenen Zinkwert senken kann. Du nimmst also Zink, um einen Mangel auszugleichen. Und bei der nächsten Analyse ist der Wert womöglich niedriger als vorher.
Ich habe auch Klienten erlebt, die Zink auf eigene Faust genommen haben, bevor ihr Körper so weit war. Sie haben sich damit überhaupt nicht gut gefühlt. Die Gründe waren unterschiedlich: Bei manchen waren die Nebennieren zu erschöpft, bei anderen kam zu viel Kupfer auf einmal in Bewegung. Und bei einigen war das Verhältnis von Natrium zu Kalium ohnehin schon zu niedrig, Zink hat es noch weiter nach unten gedrückt.
Die Haarmineralanalyse beantwortet deshalb vor allem diese Fragen:
- •In welchem Stoffwechseltyp steckst du gerade und passt deine trockene Haut dazu?
- •Wie viel Kraft haben deine Nebennieren noch?
- •Fehlt Zink tatsächlich, gemessen am Verhältnis zu Natrium, Kalium und Kupfer?
- •Hat sich Kupfer im Gewebe eingelagert?
- •Spielen Schwermetalle wie Cadmium mit hinein?
Aus diesem Gesamtbild leite ich dann deinen Plan ab.
Was du jetzt schon tun kannst
- •Zinkreich essen: Rotes Fleisch, Geflügel, Eier und Meeresfrüchte (vor allem Austern). Haferflocken und Hülsenfrüchte am besten eingeweicht oder gekeimt. Dabei wird ein Teil der Phytinsäure abgebaut, die sonst Zink im Darm bindet und mit nach draußen nimmt.
- •Stress runterfahren, wo es geht, weil dein Körper dadurch Zink verliert.
- •Zink nicht auf Verdacht nehmen. Zink und Kupfer hängen zu eng zusammen, um eins davon blind aufzufüllen.
- •Vitamin A nicht einfach hochdosieren. Fehlt das Transporteiweiß, landet es im Leberspeicher statt in der Haut.
- •Auf marine Omega-3-Fettsäuren achten, in guter Qualität und nicht einfach hoch dosiert.
- •Zinksalbe ruhig weiter benutzen, als Schutz für gereizte und rissige Stellen.
Warum sich der Blick auf die Ursache lohnt
Wahrscheinlich hast du schon so einiges probiert und manches davon hat sicher auch kurz geholfen.
Allein an der Haut erkennst du aber meist nicht, warum sie trocken ist. Dahinter kann ein langsamer Stoffwechsel stecken, erschöpfte Nebennieren, zu viel Kupfer im Gewebe oder eben ein Zinkmangel. Was dagegen hilft, ist jedes Mal etwas anderes. Genau das finde ich in der Auswertung heraus und baue daraus deinen Plan.
Ein Beispiel: Hannah
Hannah (Name geändert) ist Anfang 60 und hatte seit Jahren sehr trockene Haut. Im Winter sind ihre Hände aufgerissen, die Füße waren fast immer kalt und die Energie hat oft nur bis zum Nachmittag gereicht. Zinksalbe hat die rissigen Stellen etwas beruhigt, trocken ist die Haut trotzdem geblieben. Zink als Nahrungsergänzung hatte sie auch schon probiert. Die Haut ist davon nicht besser geworden, dafür hat sie sich unruhiger und erschöpfter gefühlt als vorher.
Ihre erste Analyse zeigt, warum:
- •① Calcium 332 und Calcium zu Kalium 474: Calcium liegt mehr als achtmal so hoch wie ideal, das Verhältnis zu Kalium um ein Vielfaches. Das ist ein sehr langsamer Stoffwechsel. Das Feuer im Ofen glimmt nur noch.
- •② Natrium 1,3 und Kalium 0,7: Beide liegen weit unter dem Idealbereich. Ihre Nebennieren haben kaum noch Reserven.
- •③ Natrium zu Kalium 1,86: Das Verhältnis liegt unter dem Ideal von 2,5. Zink senkt Natrium und hebt Kalium, es hätte dieses Verhältnis also noch weiter nach unten gedrückt. Genau deshalb hat ihr das Zink nicht gutgetan.
- •④ Zink 18: Knapp unter dem Ideal und für sich genommen ziemlich unauffällig. Allein hätte dieser Wert gesagt: Alles in Ordnung.
- •⑤ Kupfer 1,9: Liegt unter dem Ideal. Beim langsamen Stoffwechsel ist ein niedriger Kupferwert im Haar aber oft kein echter Mangel. Häufig sitzt das Kupfer dann im Gewebe fest und wird nicht genutzt. Von den 13 Hinweisen auf eingelagertes Kupfer, die ich in jeder Auswertung prüfe, trafen bei Hannah 7 zu. Zink hätte genau dieses Kupfer auf einmal in Bewegung bringen können.
Zink kam bei Hannah deshalb erst einmal nicht in den Plan. Zuerst ging es darum, ihre Nebennieren und ihren Stoffwechsel wieder aufzubauen.
Ihre dritte Analyse, knapp acht Monate nach der ersten, sieht deutlich anders aus. (Dazwischen lag noch eine weitere.) Calcium ist von 332 auf 135 gesunken und Natrium und Kalium liegen wieder nahe am Ideal. Das Verhältnis von Natrium zu Kalium steht jetzt bei 3,14, also leicht über dem Ideal. Ihr Stoffwechsel ist zwar immer noch langsam, aber längst nicht mehr so erschöpft. Jetzt passt Zink, weil es das Verhältnis wieder in Richtung Ideal bringt. Seitdem arbeiten wir auch mit Zink und ihre Beschwerden haben sich schon stark verbessert. Es ist noch ein Stück Weg, aber es geht in die richtige Richtung.
Inzwischen scheidet ihr Körper außerdem Cadmium aus, eines der Schwermetalle, die Zink von seinen Plätzen verdrängen. Im Haar ist der Cadmiumwert von der ersten zur dritten Analyse deutlich gestiegen. Das klingt erst einmal schlecht. Steigt ein Schwermetall im Haar aber, während es dem Körper insgesamt besser geht, heißt das meist, dass er es gerade aus dem Gewebe löst und ausscheidet. Dazu passt auch, dass ihr Zinkwert von 18 auf 16 leicht gesunken ist. Um Cadmium aus dem Gewebe zu verdrängen, braucht der Körper Zink, weil beide um dieselben Plätze konkurrieren. Wird gerade viel Cadmium gelöst, verbraucht er wahrscheinlich auch mehr Zink.
Das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus ihren Analysen. Jeder dieser Werte bekommt seine Bedeutung erst im Zusammenspiel mit allen anderen. Die Punkte oben eignen sich deshalb nicht dazu, die eigene Analyse selbst auszuwerten.
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Quellen
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